Ein Jahr Hanau

Ein Jahr nach den rassistischen Morden in Hanau (D) fand heute in Basel eine Kundgebung statt. Basel Nazifrei hielt eine Rede, die wir hier veröffentlichen. In Gedenken an die Opfer von Hanau Ferhat Unvar, Hamza Kurtovic, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Paun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoglu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin und alle anderen Opfer rassistischer Gewalt.

 Ein Jahr ist es her, dass in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet wurden. Als antifaschistisches Bündnis in der Region Basel wollen wir unsere Solidarität mit den Familienangehörigen und Freund*innen der Getöteten zum Ausdruck bringen. Wir bewundern zutiefst, wie trotz des unglaublichen Verlusts diese Menschen einen Kampf in der Öffentlichkeit führen und das von Anfang an. Denn wie so oft nach rassistischen Morden kommt in der bürgerlichen Öffentlichkeit nach dem empörten Aufschrei das Vergessen. Vergessen aber bedeutet Ignorieren. Ignorieren, dass die rassistischen Verhältnisse weiter existieren. Ignorieren, dass faschistische Parteien in Deutschland im Parlament sitzen, dass sich rechtsextreme Strukturen bewaffnen, dass stinkreiche Politiker*innen gegen prekäre Migrant*innen hetzen. Wir kennen das aus der Schweiz. Wir kennen das von einem Blick, von einer SVP. Das treten nach unten, das hetzen, das geifern, das Ausdehnen des Sagbaren, mit „provokativen“ Plakaten, die nichts anderes als widerwärtige rassistische Stimmungsmache sind. Das alles zu ignorieren, sind sich viele gewohnt, um dann umso erschrockener zu sein, wenn der nächste „Einzeltäter“ zur Waffe greift und Worte in Taten umsetzt. 




Was heisst es also, sich an Hanau zu erinnern? Die Antwort darauf fällt natürlich nicht für alle gleich aus. Wer selbst rassistische Gewalt erlebt hat, wird sich anders an Hanau erinnern, als jemand der solche Gewalt weder kennt noch jemals kennen wird. Doch auch wenn wir uns unterschiedlich erinnern, können wir gemeinsam gegen das Vergessen ankämpfen. Das hat uns unter anderem der Aufstand nach der Ermordung George Floyds durch einen US-Polizisten gezeigt. 




Neben vielem anderen heisst Erinnern also auch Kämpfen. Dass es nicht einfach weiter geht. Dass Hanau zum Wendepunkt wird und wir faschistische und rassistische Strukturen zurückschlagen. Dass wir mehr und mehr Menschen werden, die auf Selbstorganisierung und Solidarität setzen. Erinnern heisst kämpfen. In Basel bedeutet das zum Beispiel auch, nicht weiterhin zu ignorieren, dass wenige Kilometer von hier ein Gefängnis steht, dass einzig dazu gebaut wurde Migranten einzusperren. In diesem Gefängnis sitzen Menschen zum Teil Monate lang, weil sie die „falschen“ Papiere haben. Nicht selten werden sie direkt von dort deportiert. Im angrenzenden Asyllager kommt es zu massiver Gewalt durch die Securitas, systematisch werden hier Menschen misshandelt und verprügelt. Doch trotz Beweisen wird das von der Stadt beharrlich unter den Teppich gekehrt. 




Rassismus tötet! In Hanau, im Mittelmeer. Werdet antirassistisch aktiv. Wir müssen diese Welt zu einem besseren Ort machen und zwar dringend. 
geändert am: 19.02.2021